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Spiel mit der Wirklichkeit

Foto-Künstlerin Petra Jaenicke zeigt im Fränkisch-Crumbacher Rathaus ihre „Mix Media Art“.

Hellauf begeistert zeigte sich der Fränkisch-Crumbacher Bürgermeister Eric Engels über den Zuspruch, den die jüngste Vernissage innerhalb der Ausstellungsreihe „30 Minuten mit... – Kunst im Rathausflur“ erfahren hat. An diesem Abend stellte sich die Crumbacher Foto- und Media-Art-Künstlerin Petra Jaenicke dem Publikum vor, und das fand einigen Anklang. Derartig viele Freunde und Bekannte aus ihrem künstlerischen, pädagogischen, literarischen und musikalischen Umfeld interessierten sich dafür, dass ständig neue Stühle in den Sitzungssaal geschleppt wurden – und dennoch viele Gäste stehen mussten.

„Frankfurt – New York – Fränkisch-Crumbach“: Mit dieser Abfolge von Orten verband Verwaltungschef Engels Lebens- und Schaffensstationen der Künstlerin, an denen sie Spuren hinterlassen hat. Wobei Jaenicke selbst ihre „internationale Bedeutung“ eher herunterzuspielen sucht. Es stimmt jedoch, dass sie in der New Yorker Online-Foto-Galerie „Your Art Gallery“ ebenso vertreten ist wie in der Galerie Andrea Ahlemann in Duisburg, dass sie auch in Frankfurt ausgestellt und mit ihrer Kunst schon internationale Preise gewonnen hat.

„Meine Bilder sind eine Mischung aus Fotos und Malerei, und ich arbeite viel mit Überlagerungen“, erklärt die kreative Odenwälderin ihre selbst entwickelte Technik. Sie macht Fotos, verfremdet sie digital, druckt sie auf dünnem Seidenpapier aus und integriert sie danach in mehrere, auf der Leinwand vorbereitete Schichten aus Marmormehl, verschiedenfarbige Erden, Bindemittel und Bienenwachs. Dabei kombiniert sie gern architektonische und technische Details mit Motiven wie Vögeln und Blumen. Das Ergebnis ist ein Einblick in eine oft surreale Welt, die gelegentlich irritiert, aber bewusst auch Raum lässt für Illusionen und eigene Interpretationen.

Nach einem Design- und Fotografie-Studium an den Hochschulen für Gestaltung in Darmstadt und Offenbach arbeitete Petra Jaenicke zunächst als freie Mitarbeiterin, Regisseurin und Artdirektorin bei einer Frankfurter Agentur, fühlte sich aber zunehmend isoliert in einer Welt, die „immer größer, lauter und fremder“ wurde. Mit Mitte 30 hatte sie einen regelrechten „Burnout“ und beschloss, ihr Leben radikal zu ändern. Sie begann in Frankfurt ein Kunst- und Pädagogik-Studium, schloss es zügig ab und widmete sich fortan der Weiterbildung von Referendaren.

Das Bedürfnis, etwas Eigenes, Künstlerisch-Kreatives zu machen, hatte sie jedoch nie verlassen. Als sie sich vor rund drei Jahren pensionieren ließ, fand sie endlich wieder Zeit und Muße dazu. Sogar ein Buch hat sie geschrieben: „Gretchen und das unaufhaltsame Leben“ heißt es und schildert aus weiblicher Sicht die Erlebnisse eines Widerstandskämpfers gegen Hitler.

Wie immer war es Crumbachs „ehrenamtlicher Kultur-Manager“ Mitsch Schulz, der den Kontakt zu der einheimischen Künstlerin hergestellt hatte. Musikalisch untermalt wurde die Vernissage vom Trio Kerstin Ellert, Rosemarie und Hannes Horn. Zu sehen ist die Ausstellung bis zum Herbst im Flur und Sitzungszimmer des Crumbacher Rathauses.

Text und Bild: Kirsten Sundermann

 

Bericht im Odenwälder Echo

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