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Ärztliche Versorgung bleibt gesichert

Land und Kommune fördern Einstieg des Ärztezentrums Bad König

Bei der hausärztlichen Versorgung in Fränkisch-Crumbach beginnt seit Donnerstag (18. Juli 2019) ein neues Kapitel. Bürgermeister Eric Engels und Dr. Thomas Eisenhauer vom Ärztezentrum Bad König unterzeichneten eine Vereinbarung, mit der die Umwandlung der seitherigen Gemeinschaftspraxis Dr. Wagner / Dr. Seibold in eine Zweigpraxis des Ärztezentrums finanziell gefördert wird. Die Praxis bleibt Mitglied in der Gesundheitsversorgungskooperation Gersprenztal.

Das Förderprogramm des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration für die Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum übernimmt die Hälfte der Investitionen des Ärztezentrums in die neue Zweigpraxis in der Größenordnung von bis zu 50 T€, etwa für eine an die Praxis in Bad König angepasste EDV-Anbindung und für neue Medizintechnik, wie ein PC-kompatibles EKG und Ultraschallgerät. „Eine zukunftsfeste und weiterhin wohnortnahe, qualitativ hochwertige Versorgung ist eine der großen Zukunftsaufgaben“, erklärt Anne Janz, Staatssekretärin im Hessischen Ministerium für Soziales und Integration. „Neue Organisations- und Versorgungskonzepte wie hier in Fränkisch-Crumbach werden dafür sorgen, dass die Bürgerinnen und Bürger in Hessen auch künftig bedarfsgerecht und gut medizinisch versorgt werden.“ Darüber hinaus beteiligt sich die Gemeinde Fränkisch-Crumbach mit bis zu 25 T€ an diesen Investitionen. Die Gemeindevertretung hatte eigens einen Nachtragshaushalt verabschiedet, um ihren Zuschuss zu finanzieren. Bürgermeister Eric Engels: „Ich bin froh über die einstimmigen Beschlüsse unserer Gremien. Uns war wichtig, dass wir diesem Prozess zum Erfolg verhelfen, faire Forderungen stellen und die Partner für mehrere Jahre binden.“ Ein wichtiger Schritt sei getan, dass Fränkisch-Crumbach weiterhin über eine vollständige Infrastruktur verfüge.

Nach dem plötzlichen Tod des seitherigen Hausarztes Dr. Fritz Wagner im Dezember 2018 war die Zukunft der ärztlichen Versorgung in der Gersprenztalgemeinde mit dem allein verbliebenen Kollegen Dr. Harald Seibold zunächst ungewiss. Zwar gelang es der Witwe des verstorbenen Mediziners, Margarete Wagner, sogleich eine Notbeauf­tragung zu organisieren und dem Mitinhaber eine Vertretung an die Seite zu stellen, aber die Suche nach einem dauerhaften Partner erwies sich als schwierig – bis dass das Ärztezentrum Bad König auf den Plan trat, in dem neun hausärztlich tätige Internisten und Allgemeinmediziner in der Kurstadt eng zusammenarbeiten. In die Verhandlungen wurde frühzeitig auch die Gemeinde einbezogen, um mit einem Investitionszuschuss den Weg zu bereiten. Sie organisierte erfolgreich die Landesförderung des Hessischen Sozialministeriums und einen weiteren Zuschuss aus Mitteln des kommunalen Haushalts. Zur nachhaltigen Absicherung der neuen Konstruktion verpflichtete sie in dem nun abgeschlossenen Vertrag die Beteiligten für mindestens fünf Jahre.

Bürgermeister Eric Engels freute sich über das Ergebnis: „Es hat einige Gespräche erfordert, um für alle Vertragspartner das bestmögliche Ergebnis zu erreichen. Ziel war aber immer, dass für Fränkisch-Crumbach eine funktionierende Hausarztpraxis bestehen bleibt.“ Besonderen Dank richtete er an Margarete Wagner, die sich trotz großer persönlicher Belastung für dieses Ziel intensiv eingesetzt habe, an die Kassenärztliche Vereinigung Hessen, die zu jeder Zeit den Prozess unterstützt habe, und an Dr. Thomas Eisenhauer und sein Team, das eine Versorgungslücke im Gesprenztal rechtzeitig geschlossen habe. Dr. Eisenhauer sagte dazu: „Für uns ist die Errichtung eines zweiten Standortes jenseits des Mümlingtals eine neue Herausforderung. Wir sind froh, dass mit Harald Seibold ein sehr erfahrener und fähiger Kollege zu unserem Team stößt und wir damit die Versorgung am neuen Standort sichern können.“ Aus diesem Team werden ab dem vierten Quartal 2019 bestimmte Ärzte im Wechsel neben Dr. Seibold tätig sein, die sich schon im Rahmen der Notbeauftragung mit der Praxis und dem Patientenstamm vertraut gemacht haben.

Begleitet wurde der Prozess von der Gesundheitsversorgungskooperation (GVK) Odenwald, in deren Sparte Gersprenztal die Zweigpraxis trotz ihrer Anbindung an Bad König weiterhin Mitglied bleibt. Die GVK Odenwald ist ein Netzwerk von Leistungsanbietern, von Ärzten über Apotheken bis zu Pflegediensten, das sich gemeinsam aufgemacht hat, etwas gegen drohende Versorgungs­engpässe im ländlichen Raum zu unternehmen. Der Vorsitzende Dr. Alwin Weber kommentierte die neue Vereinbarung in Fränkisch-Crumbach: „Das hergebrachte Landarztmodell ist passé. Nur durch eine engere Zusammenarbeit können wir sicherstellen, dass die Ärzteversorgung im Odenwald erhalten bleibt.“ Aktiv beteiligt war auch die Beratungsfirma ASD Concepts aus Reinheim in ihrer Funktion als Geschäftsstelle der GVK Odenwald, um sowohl die Akteure zu begleiten als auch die Förderanträge nach Wiesbaden vorzubereiten. Deren Geschäftsführerin Elke Kessler sagte dazu: „Wie in Fränkisch-Crumbach letztlich alle an einem Strang gezogen haben, hat Modellcharakter. Es zeigt einmal mehr, wie wichtig eine engere Vernetzung im Gesundheitswesen ist.“

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