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De Schubbe werd fuffzisch!

5.000 Gäste feiern 50-jähriges Bestehen der Diskothek „Red Stone“ mit riesiger Open-Air-Party

Was für eine Nacht – hochsommerlich warm, mit funkelnden  Sternen und einer schmalen Mondsichel. Und was für ein Geschenk für die Fränkisch-Crumbacher Discothek „Red Stone“, die am Samstag ihr 50-jähriges Bestehen mit einer Open-Air-Party auf der zentral im Ort gelegenen „Brunnenwiese“ (Alter Sportplatz) feiert.

Der „Schubbe“ - oder auch „Schuppe“, wie die Vergnügungsstätte liebevoll genannt wird - ist nicht nur vor Ort bekannt. Schon zu den normalen Öffnungszeiten (immer freitags von 20.30 bis 1 Uhr morgens) ist in dem nicht weit von der Festwiese entfernten „Kult-Kneipe“ ordentlich was los. Da kommen Fans sogar aus Karlsruhe, Hanau und Offenbach angereist, weiß Michael Orlik, der als DJ seit 35 Jahren für den typischen Schubbe-Sound sorgt. Umso größer waren daher die Erwartungen, was den Besucheransturm zum Goldenen Jubiläum angeht. Für bis zu 5.000 Schubbe-Freunde war die Party angelegt – und dieses Limit wurde bereits im Vorverkauf fast erreicht. Schließlich hat sich im Lauf der Jahrzehnte eine veritable „Schubbe-Familie“ herausgebildet, die sich kennt, sich allfreitäglich aufeinander freut, und das zu erwartende Groß-Ereignis über die sozialen Netzwerke ausgiebig beworben hat.

So richtig voll auf dem Festplatz wird es am Samstag allerdings erst gegen halb acht, nachdem die ersten Busse eingetroffen waren. Auf die hatten viele Besucher gesetzt, zumal gleich acht Fahrzeuge im Einsatz waren und im Shuttle-Dienst auch weiter entfernte Ortschaften wie etwa Reinheim, Habitzheim, Lengfeld, Hammelbach oder Erbach/Michelstadt bedienten. Ein geringer Aufpreis auf die Tickets (zwischen vier und sechs Euro) ermöglichte deren komfortable Nutzung. Für Besucher mit eigenem PKW hatte die Gemeinde ein ausgeklügeltes Parksystem entwickelt und zahlreiche Geschäfte im Ort hatten ihre Firmenparkplätze zur Verfügung gestellt.

„Wir tragen eine Riesen-Verantwortung“, meint Ute Püchner, Schwester von Gabi Keil, der die von ihren Eltern etablierte Disco seit 1990 leitet. Ute hat die Organisation des Festes übernommen. Rund fünfzig Familienmitglieder und Freunde seien im Einsatz, berichtet sie, und betreiben nicht nur drei Ausschank-Wagen und eine Bar, sondern kümmern sich auch um die Entsorgung des anfallenden Leerguts. Denn statt Plastik werden auf dem Gelände nur Pfandflaschen aus Glas ausgegeben. 13 starke Männer von einem Groß-Zimmerner Sicherheitsdienst kontrollieren die Taschen der Besucher auf unerlaubte „Mitbringsel“ oder „Mitnehmsel“, und sorgen darüber hinaus, schon durch ihre Respekt einflößende Präsenz, für Sicherheit und Ordnung. Für „alle Eventualitäten gerüstet“ präsentieren sich zudem - mit jeweils beeindruckender Personalstärke sowie Rettungs- und Löschfahrzeugen - die Ortsgruppen des DRK und der Freiwilligen Feuerwehr. Zu ernsthaften Zwischenfällen kommt es an dem Abend glücklicherweise nie.

Mit Einbruch der Dämmerung wird es dann richtig voll auf der großen Wiese vor der Bühne. Da reicht der Platz für manche Besucher nur zum Hüpfen auf der Stelle, oder zu einem Wiegen im Takt der Musik, beleuchtet und manchmal auch geblendet von riesigen, bunten Scheinwerfern. Und auch was das Ende der Party angeht, sind die Crumbacher von Petrus begünstigt: Um Mitternacht erinnert ein leichtes Donnergrollen an das für ein Uhr geplante Ende der Veranstaltung, und um 1.30 Uhr treibt der einsetzende Regen auch die letzten Zögerlichen vom Platz.

Die Schubbe-Family

Fragt man die Fest-Besucher, was denn nun den Reiz des „Schubbe“ und damit auch der Fünfzig-Jahr-Feier ausmacht, so fällt ihnen als erstes die dort  anzutreffende „familiäre Atmosphäre“ ein. Dazu gehört auch, dass Besucher von „16 bis über 60“ willkommen sind. Und alle lieben die „schöne Rockmusik aus den 70er, 80er und 90er Jahren“, die der Michael (bitte nicht „Herr Orlik!“)  auflegt und gelegentlich kommentiert. Zu Beginn eines Schubbe-Abends erschallt dann regelmäßig immer das gleiche Lied: „Riding on a dead horse“ der Band „Fury in the slaughterhouse“. Und den „Rausschmeißer“ macht die Gruppe „Chaka Khan“ mit ihrem Song „ Ain't nobody“.

Christel Lange (69) ist die Inhaberin eines Haushaltswarengeschäftes in Fränkisch-Crumbach, und war schon bei dem Gründungsfest vor fünfzig Jahren dabei. In ihrer Jugend war sie dort Stammgast, als junge Mutter hingegen musste sie ein bisschen zurückstecken. Aber die Musik dort gefällt ihr nach wie vor, und im vergangenen Jahr war sie zusammen mit ihrem Mann dort auch mal wieder tanzen! Vor der Gründerfamilie Eitel „zieht sie den Hut“, denn so ein Fest auf die Beine zu stellen, wäre „eine Superwerbung für den ganzen Ort“. Toll findet sie es auch, dass die Organisatoren die örtlichen Vereine dazu eingeladen haben, sich mit eigenen Ständen an dem Verpflegungsangebot des Abends zu beteiligen. Der Crumbacher Gemeindevertreter Gabriel Frank (28) und seine Fraktionskollegin Michelle Marquardt berichten, dass sie nach den Parlamentssitzungen, die in Crumbach immer freitags stattfinden, zur Entspannung oft im Schubbe vorbeischauen. „Ist ein schöner Ausklang“, finden sie. Christine (58) aus Gernsheim ist ebenfalls eine alte Schuppengängerin und findet es toll, dass es dort noch so „höflich, gesittet und familiär“ zugeht wie vor fünfzig Jahren. Und Jessi aus Erbach taucht sogar mit Brautschleier auf: Sie will im August heiraten und hat das Fest zu einem vorgezogenen Junggesellinnen-Abend genutzt. Ihre Freundin Verena führt sie an einer Leine, damit sie nicht ausbüxen kann. Das hat sie dem Bräutigam versprochen.

 

Text: Kirsten Sundermann | Fotos: Kirsten Sundermann, Diskothek Red Stone

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