Sagen und Geschichte – lebendig vermittelt zur nächtlichen Stunde

Einen fulminanten Auftritt in Form einer Nachtwanderung hatte das Heimatmuseum rund um die Burgruine Rodenstein mit einer Besuchergruppe von mehr als dreißig Personen, die aus einer radiologischen Gemeinschaftspraxis mit Hauptsitz in Wiesbaden angereist war. Bereits die musikalisch-schwungvolle Begrüßung mit den Liedern „Rodensteiner Swing“ und „Ja, so war`n die Herrn von Rodenstein“ begeisterte die Gäste. Eine stimmungsvolle Taschenlampenwanderung ließ die Besucher eintauchen in die geheimnisvolle Welt des Rodensteiner Walds mit seiner sagenumwobenen Burgruine. Natürlich durfte da die weit über die Grenzen des Odenwalds hinaus bekannte Sage vom geisterhaften Zug des Rodensteiners mit seinem wilden Heer nicht fehlen – diesmal vorgetragen als Sagenvariante mit Ritterturnier, Liebe, Hochzeit, Tod und Verfluchung. Im Burghof erwartete die angereisten Rodensteinfreunde eine Überraschung: Der durch den Dichter Joseph Viktor von Scheffel bekannte „Trunkenbold Rodensteiner“ erschien in leibhaftiger Gestalt mit humoristisch-derber Ansprache an das Publikums und wurde postwendend durch seine „weiße Frau“ wegen seiner Trunksucht beschimpft und verflucht – eine Szene als kreative und augenzwinkernde Neuschöpfung des Heimatmuseums. Während des Rundgangs kam auch die Entstehungsgeschichte von Werner Bergengruens „Buch Rodenstein“ zur Sprache. Schließlich weckte noch die Sage vom zauber- und heilkräftigen Quellwasser des Eichbrünnchens das Interesse der Besucher: Sonntagskinder vermochten nach einem Blick in die Quelle geheimnisvolle Erscheinungen am Himmel zu sehen. 

 

Ausführungen zur Baugeschichte der Burg steuerte Ernst-Otto Nehrdich bei, während Karl-Heinz Mittenhuber für die Sagenwelt und die Moderation zuständig war. Für den schmissigen Gesang zur Gitarre, die Jens Horn in gekonnter Weise spielte, sorgten Claus Fittschen, Hermann Könen und Karl-Heinz Mittenhuber. Stephanie Fittschen blieb die Rolle der „weißen Frau“ vorbehalten, Hermann Könen diejenige des trinkfreudigen Rodensteiners.

K.-H. Mittenhuber

 

 

Abb.: Verfluchung des Rodensteiners durch die weiße Frau