Scheidungsverfahren

Das Verfahren für Ehescheidungen ist aufgrund seiner Bedeutung den Gerichten übertragen. In der Regel ist eine anwaltliche Vertretung vorgesehen.

Verfahrensablauf

Der Scheidungsantrag muss von einer Rechtsanwältin bzw. einem  Rechtsanwalt beim Amtsgericht (Familiengericht) eingereicht werden. Zumindest der Ehegatte, der den Antrag stellt, muss anwaltlich vertreten sein. Wenn der andere Ehepartner der Ehescheidung zustimmt und selbst keine Anträge (z.B. Anträge zum Unterhalt oder Sorgerecht) stellen will, ist er nicht verpflichtet, eine Rechtsanwältin bzw. einen Rechtsanwalt zu beauftragen.

 

An wen muss ich mich wenden?

Für das Scheidungsverfahren ist in der Regel das Amtsgericht (Familiengericht) zuständig, in dessen Bezirk

  • der Ehepartner, bei dem minderjährige Kinder aus der Ehe leben, seinen gewöhnlichen Aufenthalt hat oder
  • die Eheleute ihren gemeinsamen gewöhnlichen Aufenthalt haben

Die Zuständigkeit wird die Rechtsanwältin bzw. der Rechtsanwalt prüfen, die/der den Scheidungsantrag stellt. Für Scheidungen mit Auslandsbezug – insbesondere wenn ein Ehegatte nicht deutscher Staatsangehöriger ist – gelten wiederum andere Regeln.

Orts- und Gerichtsverzeichnis

Voraussetzungen

Grundsätzlich kann eine Ehe nach deutschem Recht geschieden werden, wenn sie gescheitert ist. Eine Ehe ist gescheitert, wenn die Lebensgemeinschaft der Ehegatten nicht mehr besteht und nicht erwartet werden kann, dass die Ehegatten sie wiederherstellen (Zerrüttung der Ehe).

Die Zerrüttung einer Ehe wird unwiderlegbar vermutet, wenn die Ehegatten mindestens

  • ein Jahr getrennt leben und beide die Scheidung wollen oder
  • 3 Jahre getrennt leben, auch wenn ein Ehegatte keine Scheidung will.

Besteht nach einer Trennungszeit von mehr als einem, aber unter 3 Jahren keine Einigkeit über die Scheidung, muss die Zerrüttung vom Antragsteller bewiesen werden.

Die Ehegatten leben getrennt, wenn zwischen ihnen keine häusliche Gemeinschaft besteht und ein Ehegatte sie erkennbar nicht herstellen will, weil er die eheliche Lebensgemeinschaft ablehnt. Die häusliche Gemeinschaft besteht auch dann nicht mehr, wenn die Ehegatten innerhalb der ehelichen Wohnung getrennt leben. Dies setzt jedoch voraus, dass sie keinen gemeinsamen Haushalt mehr führen und auch keine wesentlichen persönlichen Beziehungen mehr bestehen (z.B. sie schlafen in verschiedenen Zimmern und versorgen jeweils nur sich selbst, kochen etwa getrennt).

Welche Gebühren fallen an?

Wird eine Ehe geschieden, ordnet das Gericht regelmäßig Kostenaufhebung an. Dies bedeutet, dass jeder Ehegatte seine Anwaltskosten für sich zu tragen hat und die Gerichtskosten zwischen den Ehegatten halbiert werden. Haben die Parteien eine Vereinbarung über die Kosten getroffen, kann das Gericht diese ganz oder teilweise der Entscheidung zugrunde legen.

Hinweis: Konkrete Auskünfte über die in einem Scheidungsverfahren entstehenden Kosten, deren Höhe vom jeweiligen Fall abhängig ist, erhalten Sie bei Ihrer Rechtsanwältin oder Ihrem Rechtsanwalt.

Fachlich freigegeben am 07.09.2018 durch:
Hessisches Ministerium der Justiz